St. Andreaskirche

 

Eine St. Andreaskirche in Wassermungenau selbst ist seit dem 15. Jahrhundert bezeugt. Ihr Standort war bei der Abzweigung nach Windsbach direkt an der Rezat. Durch Hochwasser war sie immer wieder bedroht und im letzten Jahrhundert baufällig geworden.

1853 wurde die jetzige, im neuromanisch-klassizistischen Stil erbaute St. Andreaskirche eingeweiht. Der barocke Hochaltar mit Kruzifix, Maria und Johannes sowie das Wappen der Markgrafschaft Ansbach von 1712 stammt noch aus der alten Kirche.

Die St. Andreaskirche hat eine für Kirchenmusik besonders geeignete Akustik. Mehrmals im Jahr finden Geistliche Konzerte und Orgelmusiken statt.

Ausschnitt aus dem Heimatbuch Wassermungenau

 

Die alte St. Andreaskirche

Im Urkatasterplan von 1826 ist die erste Kirche von Wassermungenau eingezeichnet, umgeben vom Friedhof. Durch Größenvergleiche mit noch aus dieser Zeit bestehenden Gebäuden (Pfarrhaus, Gasthaus Post) können die Maße der Kirche in etwa bestimmt werden (s. Skizzen).
St. Andreas wird im Jahr 1189 eingeweiht. Im Jahr 1684 beschreibt Diakon Johann Conrad Rücker die Kirche als ein „schönes Gotteshaus“ mit zwei Glocken und einer Schlaguhr. In der Kirche steht ein „feiner Altar“ mit zwei Seitenaltären.
1698 heißt es im Heiligenbericht (Bericht über Arbeit und Ausgaben der Kirchenstiftung), unter Einbeziehung eines Baumeisters, dass die Decke ganz verfault, die Kirche durch die kleinen Fenster äußerst dunkel ist. Das wird durch die „Bohrkirche“ (eine Empore) noch verstärkt. Es wird berichtet, dass das Kirchengestühl sowohl unten als auch auf der „Bohrkirche“ unkommod sei.
Die Kirche wird mit viel Eigenleistung mit Einbeziehung von Hand- und Spanndiensten renoviert. Die Kosten für die Renovierung betragen 307 Gulden und 50 Kreuzer.
Im Jahr 1712 wird ein neuer Altar gestiftet (es ist der heutige Hauptaltar in der St. Andreaskirche, ohne das Mittelstück „Er ist unser Friede“).
1738 berichtet Pfarrer Johann Philipp Kupfer: Die Kirche ist zu klein und viel zu niedrig. Das Balkenwerk im Langhaus als auch im Turm ist baufällig. Der Turm sei so niedrig, dass man die Glocken nicht weit hören könne. Im Jahr 1830 muss der Turm wegen Baufälligkeit ein Stück abgetragen werden.
Im Gotteshaus fehlt eine Orgel. 1738 wird in der Kirchengemeinde gesammelt, und der Orgelmacher Wiegleb aus Ansbach kann eine neue Orgel einbauen. 
Der Zugang zur Kirche ist des öfteren durch Hochwasser nicht möglich. Im Sterbebuch vom 24.1.1781 steht, dass die Witwe Margarete Schwarz aus Hergersbach wegen Hochwassers auf normalem Weg nicht beerdigt werden kann. (Der Pfarrer schreibt) Nota: „Da der 2 Tag gefallene tiefe Schnee durch starken Regen schnell zerfloß und ein so großes Gewässer verursachte, dass ich auf der Bruck den Leichnam mit Pferden abholen lassen musste und das Wasser den Eingang zur Kirch unmöglich machte, so ließ ich mit Feuerleitern einen Steg bei der Krämer Schwarzin (Nr. 23 a) machen, und die Leich beim Schönweiß (Nr. 20) absetzen, besingen und gingen hinten durch des Melkners Hof (Nr. 22) in die Kirche.“
Vom 27. bis 30. März 1845 wird die Kirche so vom Hochwasser umflutet, dass nicht einmal mehr geläutet werden kann. 

 

St. Andreaskirche

 

St. Andreaskirche

Bau der neuen St. Andreaskirche

Aufgrund des baufälligen Zustandes der alten Kirche stellt schon Pfarrer Johann Friedrich Zenker (1779 - 1791) Antrag auf den Bau einer neuen Kirche, da immer über die Enge in der Kirche geklagt wird. Aber erst unter Pfarrer Karl Ludwig Kleindienst (1826 - 1855, gest. 25.12.1855) kommt die Sache ins Laufen. Schon 1839 werden aufgrund eines Regierungserlasses Bausteine und Quader aus dem Steinbruch bei Lichtenau in Hand- und Spanndiensten angefahren, wozu die Staatskasse zweimal 500 Gulden bewilligt. Die Steine werden auf dem Treibacker am westlichen Dorfende, unweit der „Gasthaus Post“ abgeladen. Diesen hat der Gastwirt zum „Goldenen Stern“ (ehemaliges Gasthaus Weid) Johann Michael Herrlen - vieljähriges Landratsmitglied und ab 1845 Landtagsabgeordneter (gest. 1847) - um 800 Gulden erworben und als Bauplatz kostenlos zur Verfügung gestellt. Der Bauplatz liegt somit ganz außerhalb des Ortes (Spalter Straße und Hauptstraße ab der Post sind noch unbebaut).
Viele hätten die Kirche lieber im Dorf, darüber gibt es viel Streit. Im Juni 1842 werden die Arbeiten vergeben, aber wegen Geldmangels der Staatskasse muss der Bau verschoben werden. Nach weiterer Unterbrechung wegen Nichtanerkennung der Baupflicht durch die Staatskasse wird durch allerhöchste Entschließung vom 28.12.1844 die Baupflicht des Staates festgestellt. Vom Kreisbüro in Ansbach werden die Pläne gefertigt. Am 14.4.1846, Osterdienstag, lässt Stadtbaumeister Johann Leonhard Förtscher aus Ansbach anfangen und den Grund für den Turm ausheben. Am 12.6.1846 ist Grundsteinlegung. Bei der weiteren Steinanfuhr verunglückt der Beerbacher Bauer Johann Dechet am 25.8.1846 zwischen Elpersdorf und Untereschenbach: Er gerät unter ein Wagenrad und bricht sich ein Bein. Über den weiteren Baufortschritt und die Zimmermannsarbeiten, ebenso über die Kosten, wird in der Chronik nicht berichtet. Der Kostenvoranschlag liegt bei 27 800 Gulden.
Im Jahresbericht 1848 heißt es: die neue Kirche steht ganz vollendet da. Im Inneren des Gotteshauses ist noch nicht viel geschehen, denn die Gemeinde verweigert die Bezahlung der Kirchenstühle, was weitere zwei Jahre Streit mit den Ämtern bedeutet. Außer den Bänken fehlen noch die Kanzel, der Altar, der Taufstein, die Orgel und eine Glocke, auch die Sakristei ist noch unvollendet. Am 3. März 1852 erklärt sich die Staatskasse dazu bereit, die Kosten für die Kirchenstühle zu übernehmen.
Die neue Orgel, vom Orgelbauer Vogtherr aus Heilsbronn hergestellt, wird am 24.1.1852 geprüft und zum Meisterwerk erklärt. Der Taufstein wird vom Bildhauer Vogtmann gefertigt. Die Turmuhr soll von der Pfarrgemeinde angeschafft werden, aber die Außenorte weigern sich, ihren Beitrag zu leisten. Ein Leichenkreuz stiftet die Beerbacher Bauerswitwe Anna Rosina Bößenecker, gefertigt für 12 Gulden vom Bildhauer Herterich von Ansbach. Von ihm sind auch die Kanzel und der Altar (heute Seitenaltar) mit Ausnahme des Altarbildes, das von Professor Gareis aus Erlangen gemalt wird. Da von den Glocken nichts vermerkt ist, kann angenommen werden, dass die beiden Glocken der alten Kirche verwendet werden. Wann die große Glocke angeschafft wird, steht nicht in dem Bericht.
Am 30.10.1853 findet die große Einweihung statt.

Die alte Kirche wird 1856 von der Staatskasse Bayern auf Abbruch verkauft und abgetragen, der Friedhof erweitert. 1928 wird auf dem Kirchengrund das Gemeindeheim erbaut.
Schon 1857 tritt der Schwamm an den Kirchenstühlen auf, sie müssen herausgenommen und die Bretterung entfernt werden. Der Boden wird mit Backsteinen gepflastert. 1863 zeigen sich erstmals Risse am Kirchenschiff, weil der Baugrund nachgiebt. 1878 wird das Dach mit Tonziegeln eingedeckt, da sich die Solnhofer Ziegel nicht bewähren und oft vom Sturm herabgeweht werden. 1885  muss erneut der Riss im Kirchenschiff ausgebessert werden, auch die Kirchendecke wird bemalt. 1886 wird der Chor ausgemalt. 1895 wird die Orgel mit Kosten von 1747 Mark repariert und überholt. 1902 werden die kleine und die mittlere Glocke durch die Firma Keller aus Rothenburg umgegossen. Die kleine Glocke mit Kosten von 400 Mark bezahlt der Brauereibesitzer Johann Kropf (Goldene Krone), für die mittlere bewilligt die Staatskasse 300 Mark, der Rest von 236 Mark wird durch Spenden aufgebracht.
Die kleine Glocke wiegt nun 3,37 Ztr., die mittlere 6,91 Ztr.; sie sind fast 3 Zentner schwerer als die beiden alten Glocken. Die große Glocke muss 1911 wegen eines Sprunges durch die Firma Keller umgegossen werden (312 Mark). 1908 wird auf Staatskosten der Seiteneingang zur Kirche geschaffen, 1909 werden die erneuten Risse im Schiff mit Eisenklammern versehen und ausgebessert. Ab 1912 wird der Altaraufsatz, der früher in der alten Kirche stand, wieder verwendet; er wird vom Kunstmaler Wiedlein um 700 Mark renoviert (noch ohne Zwischenstück mit der Aufschrift: Er ist unser Friede), wozu ein Zuschuss von 650 Mark bewilligt wird, der bisherige Altar wird als Seitenaltar verwendet. Der Altaraufsatz trägt die Inschrift: Herr Friedrich Neber, Erster kaiserlicher Posthalter allhie und dessen Ehewirthin Frau Sibylla, eine geborene Böckin (Böck, verwitwete Schuler) wie auch dieser beide Kinder erster Ehe, Herr Tobias Schuler, zweiter kaiserlicher Posthalter allhie und Frau Anna Maria Kolbin (Kolb, geborene Schuler) Stadtmüllerin zu Ansbach, haben diesen Altar Gott zu Ehren und dem Gotteshaus zur Ziert gestiftet. 1712 M. Christoph Fern p.l. (protestantisch lutherischer) Pastor allhie. Friedrich Neber stirbt am 2.3.1712, seine Frau Anna Sibylla am 4.4.1712.
1887 wird an der Spalter Straße ein neuer Friedhof angelegt und am Reformationsfest eingeweiht (1913 nach Süden erweitert). Maurermeister Grillenberger hat von Mai bis Oktober die Maurerarbeiten ausgeführt. Der Friedhof wird mit einem Kruzifix geschmückt, welches der Bildhauer Hemmeter aus wertvollem, französischem Sandstein herstellt (800 Mark), es wird im Mai 1891 aufgestellt. Leider stürzt das Kruzifix infolge eines Sturms im Frühjahr 1900 vom Sockel und zerbricht. Als Ersatz wird ein vergoldeter Christuskorpus von der Firma Kustermann aus München hergestellt und auf einem Kreuz aus Eichenholz befestigt. 1890 stiftet der Privatier Johann Mathias Meier aus Wassermungenau einen Kronleuchter. 1914 wird die elektrische Beleuchtung in der Kirche installiert.

 

St. Andreaskirche